10.10.2017 - Afrikanische Schweinepest steht faktisch vor der Haustür

IMG 0321 - KopieWirtschaftliche Schäden für Südoldenburg wären verheerend.

Rund 120 Vertreter der Fleischbranche, der Landwirtschaft und Veterinärmedizin fanden auf Einladung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) am 10.10.2017 im Kreishaus Cloppenburg zusammen, um sich über die Folgen einen Seucheneintritts der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu informieren. Vertreter des Friedrich-Loeffler-Institutes, des LAVES, des Landkreises Cloppenburg sowie der Gesellschaft für Seuchenvorsorge (GESEVO) diskutierten, wie die Seuche ferngehalten werden kann.

Landrat Johann Wimberg dankte in seinen Begrüßungsworten dem AEF, dass es sich diesem sensiblen Thema stelle. Die Region dürfe die Augen vor dem Risiko eines Seucheneintritts nicht verschließen, da die wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Branche verheerend seien.

Auch Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland und Exminister, machte deutlich, dass Deutschland vor einem hohen Einschleppungsrisiko der Afrikanischen Schweinepest stehe. Noch vor Augen hatte Bartels den Ausbruch der Klassischen Schweinepest im Jahre 1993. Diese hatte bereits volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe ausgelöst. Die Folgen eines ASP-Ausbruches im Oldenburger Münsterland wären noch gravierender. Bartels unterstrich auch die Erfahrungen, die die Region mit der Seuchen-bekämpfung vorweise. Er forderte alle Beteiligten auf, jedwedes Risiko einer Einschleppung zu minimieren.

Die Virologin des Friedrich-Loeffler-Institutes, Dr. Sandra Blome, beschrieb das Virus als hochkomplex Die Anzeichen der Erkrankung sind nur durch labordiagnostische Methoden von anderen Infektionen zu unterscheiden. Für die Bekämpfung stehen – in Ermangelung eines Impfstoffes – nur drastische veterinärhygienische Maßnahmen zur Verfügung. Bei mehr als 90% der infizierten Schweine führe das Virus zum Tod. Die Seuche grassiere sowohl bei Wildschweinen als auch in Schweine haltenden Betrieben. Ein Impfstoff, der das Virus eindämme, sei vermutlich auch innerhalb der nächsten 5 bis 10 Jahre nicht verfügbar. Als Grund nannte sie u.a. die fehlende Grundlagenforschung. Diese stecke leider noch immer in den Kinderschuhen.

Dr. Jens Brackmann, Mitglied der Task-Force Veterinärmedizin beim LAVES, berichtete, dass aufgrund der geänderten Bedrohungslage bereits im Jahr 2014 in Niedersachsen Vorbereitungen auf einen möglichen Ausbruch der ASP beim Wildschwein getroffen wurden. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Vorbereitungen war die Einrichtung einer Sachverständigen-gruppe zur ASP beim Wildschwein. Aus dieser Gruppe seien bereits diverse Empfehlungen und Handlungsanweisungen für Tierhalter und Jäger, insbesondere zum Ablauf der ASP-Bekämpfung im Wildschweinebestand hervorgegangen. In Tschechien beispielsweise habe man durch Abschussquoten bereits eine hohe Reduktionsquote der Wildschweinpopulation erreicht.

Unabsehbar seien die Folgen für den Landkreis Cloppenburg, so der Veterinäramtsleiter des Landkreises Cloppenburg, Dr. Karl-Wilhelm Paschertz. Sowohl Fleisch als auch lebende Schweine unterliegen Vermarktungsbeschränkungen, deren fatale wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen in einem Landkreis mit 1,8 Millionen gehaltenen Schweinen und nahezu 10 Millionen Schweineschlachtungen im Jahr mehr als gravierend seien. Infolge einer großen Exportabhängigkeit der Schweinefleisch produzierenden Unternehmen sei die Gefahr eines Zusammenbruchs des Schweinemarktes mehr als wahrscheinlich, weil Drittländer die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch stoppen könnten; selbst wenn es zu einem ASP – Ausbruch außerhalb des Landkreises käme. Der ernsten Bedrohungslage für Hausschwein-bestände müsse durch eine strikte Einhaltung der Biosicherheitsbestimmungen begegnet werden.

Was tatsächlich im Falle eines Seucheneintritts auf die Tierhalter zukommt, entbehre jedweder Vorstellungskraft, so Dr. Thomas gr. Beilage, Geschäftsführer der Gesellschaft für Seuchenvorsorge (GESEVO). Bestandsräumungen bedeuteten für die Betriebe eine hoch emotionale Belastung. Daher gelte es, diese Räumungen äußerst schnell, sensibel und professionell vorzunehmen. In seinen Ausführungen beschrieb Gr. Beilage den detaillierten Ablauf und die vorzunehmenden Maßnahmen auf dem Seuchenbetrieb.

Abschließend appellierte Bartels nochmals an die Teilnehmer, auf den Betrieben eine maximale Biosicherheit einzuhalten und sich für den Eintritt der Seuche zu wappnen.

Sehen Sie hier die Präsentationen der Referenten:

„Afrikanische Schweinepest – eine exotische Tierseuche ganz nah“ von PD Dr. Sandra Blome, Stellv. Institutsleiterin und Laborleiterin des Instituts für Virusdiagnostik (IVD) am Friedrich-Loeffler-Institut

„Aktuelle Überlegungen zum Jagd- und Krisenmanagement in Niedersachsen“ von  Dr. Jens Brackmann, Task-Force Veterinärwesen im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES)

„Afrikanische Schweinepest – eine ernste Bedrohung aus kommunaler Sicht“ von Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Veterinäramtsleiter Landkreis Cloppenburg

„Für den Ernstfall gerüstet – Vorsorgelösungen für Niedersachsen“ von Dr. Thomas gr. Beilage, Geschäftsführer der GESEVO GmbH, Cloppenburg