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13.07.2022: Regionale Agrar- und Ernährungswirtschaft Transformation durch Innovation

2022 07 Deckblatt TRAIN bildAuf die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Nordwest-Niedersachsen kommen in den nächsten Jahren erhebliche strukturelle Veränderungen zu. Das zeigt das Projekt „Transformationsszenarien der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Nordwest-Niedersachsen (TRAIN)“, das von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer initiiert und mit einer Vielzahl an Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung umgesetzt wurde.

Im Rahmen eines partizipativen Prozesses wurden verschiedene Szenarien entworfen, die mögliche Entwicklungen der Agrar- und Ernährungswirtschaft und ihrer Umfelder aufzeigen. Für drei Szenarien hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) untersucht, welche Auswirkungen eine Reduktion der Viehaltung auf die regionale Bruttowertschöpfung und Beschäftigung im Betrachtungszeitraum 2020 bis 2030 hätte. Das Ergebnis: In jedem Szenario kommt es zu – teils erheblichen – Einbußen.
Schon im Szenario „geringer Rückgang der Viehhaltung“ geht die Bruttowertschöpfung in der Agrarwirtschaft um 20 Prozent und in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie um 11 Prozent zurück. Die Beschäftigungsverluste sind mit 20 bzw. 12 Prozent fast ebenso hoch. Im Szenario „starker Rückgang“ bricht die Bruttowertschöpfung in der Agrarwirtschaft um 54 Prozent und in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie um 30 Prozent ein. Die Beschäftigungsverluste liegen bei 55 bzw. 32 Prozent.
Durch Verflechtungen mit weiteren Branchen addieren sich die Gesamtverluste bei der Bruttowertschöpfung je nach Szenario auf 1,1 bis 3,0 Milliarden Euro, bei der Beschäftigung auf 8.900 bis 23.900 Arbeitsplätze.

IHK-Präsident Jan Müller kommentiert die Projektergebnisse wie folgt: 
„Die Agrar- und Ernährungswirtschaft befindet sich im Wandel, und dieser Wandel wird sich in Zukunft beschleunigt fortsetzen. Die positive Nachricht ist: Wir können den Wandel aktiv mitgestalten. Wenn wir auf die Transformation mit Innovation antworten, können wir die Agrar- und Ernährungswirtschaft als wichtigste Säule der regionalen Wirtschaft erhalten. Mehr noch: Der weltweite Bedarf an Nahrungsmitteln steigt, und damit auch der Bedarf an Technologie, Wissen und Know-how, um diese Nahrungsmittel nachhaltig und effizient zu produzieren. Hier sehe ich große Chancen für unsere Region. Diese Chancen werden wir aber nur nutzen können, wenn wir verhindern, dass immer größere Teile der Produktion – und damit auch des Wissens – ins Ausland abwandern. Es muss gelingen, die geschlossenen Wertschöpfungsketten als Alleinstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil der Region zu erhalten.“

Hier finden Sie die Kurzfassung der Studie: (PDF-Datei · 237 KB)
Die komplette Studie finden Sie hier (PDF-Datei · 7178 KB).

Projektpartner:

  • Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (Projektträger)
  • Landwirtschaftskammer Niedersachsen
  • Landkreise Cloppenburg, Emsland, Vechta
  • Handwerkskammer Oldenburg
  • Wissenschaftliche Koordinierungsstelle Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (Projektleitung)
  • Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
  • Scenario Management International AG

04.07.2022: AEF richtet Nachhaltigkeitspanel mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ein

2022 07 04 AG Nachhaltigkeit WebsiteAm 04.07.2022 trafen sich Experten aus der regionalen Wirtschaft und Wissenschaft zu ihrer konstituierenden Sitzung „Nachhaltigkeit in der Agrar- und Ernährungs-wirtschaft“ bei der GS agri in Schneiderkrug. Das Agrar- und Ernährungsforum mit Sitz in Vechta (kurz: AEF) hat das Panel eingerichtet, um Nachhaltigkeitspotentiale der Branche herauszu-arbeiten und darzustellen. Sprecherin des Panels ist Dr.in Lina Sofie von Fricken, verantwortlich für die strategische Unternehmensentwicklung bei der GS agri.

„Obwohl sich bereits zahlreiche Unternehmen intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben, braucht es jetzt dringender denn je diese Debatte innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette.“, so der Vorstandsvorsitzende des AEF, Sven Guericke. Man wolle innerhalb der Gruppe gemeinsam ausloten, an genau welcher Stelle des Agriclusters Nachhaltigkeitspotentiale vorliegen und mit welchen Tools diese ermittelt und berechnet werden können. „Davon profitieren nicht nur die Branchenunternehmen, sondern die gesamte Region. Wir wollen Vorreiter sein“, konstatiert die Sprecherin Dr.in von Fricken.

Parallel dazu plant das Panel, praxisnahe Leuchtturmprojekte auf den Weg zu bringen. Fördergelder dafür stünden ausreichend auf EU-, Bundes- und Landesebene zur Verfügung, so die Leiterin des Verbundes Transformationsforschung agrar, Dr.in Barbara Grabkowsky.

Mit der Einrichtung der Expertengruppe will das AEF nicht nur seinen Beitrag zum Klimawandel leisten, sondern Fakten für eine verbesserte Verbraucherkommunikation liefern.

02.07.2022: ASP-Ausbruch im Emsland: AEF appelliert an verstärkte Biosicherheit auf den Höfen

Schweine Flatdeck kleinMit großer Besorgnis hat das Agrar- und Ernährungsforum (kurz: AEF) auf den am 02.07.2022 durch das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) und das LAVES bestätigten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in einem Schweine haltenden Betrieb im Emsland reagiert. „Nun ist das eingetreten, was die Branche so lange befürchtet hat. Mehr denn je sind die Betriebe jetzt angehalten, auf eine stärkere Biosicherheit zu achten“, so der Vorstandsvorsitzende des AEF, Sven Guericke.
Da der Eintragsweg der ASP in diesen Betrieb zurzeit noch unklar ist, bleibt die Hoffnung, dass dieser seitens der Behörden nun schnellstmöglich identifiziert und nachverfolgt werden kann, konstatiert Guericke.

„Ich bin beruhigt, dass das Land Niedersachsen auf einen solchen Fall bestens vorbereitet ist und so schnell und professionell auf diesen Seucheneintritt reagiert. Durch dieses Seuchen-management übernehmen Landesregierung und alle beteiligten Partner Verantwortung für die landwirtschaftlichen Betriebe, die ohnehin aktuell an ihre wirtschaftlichen Grenzen stoßen und auf Unterstützung angewiesen sind“, so Guericke.
Glücklicherweise habe dieser Fall zunächst keine weiteren Auswirkungen auf den Fleischmarkt, da Deutschland ohnehin bereits Exportbeschränkungen mit entsprechenden Folgen für den Schweinefleischmarkt unterliege.

Offen bleibe aber die Frage, welche Auswirkungen dieser Fall auf Transportwege und Schlachtungen in der Region haben werde. Das AEF hoffe, dass es bei diesem einmaligen Fall in der Region bleibe und weitere Seucheneinträge auf den Höfen verhindert werden können.
Die kürzlich veröffentlichte ASP-Risikoampel des Verbundes Transformationsforschung agrar unter Leitung von Dr.in Barbara Grabowsky biete den Landwirten dafür ein geeignetes Tool zur Prophylaxe eines Seucheneintritts.

Der Fall unterstreiche noch einmal mehr, wie wichtig auf Dauer ein Vakzin zur Impfung der Tiere wäre. Dazu müsse aber die Politik - auch auf EU-Ebene- die notwendigen Impulse für die Pharmaindustrie setzen.

15.06.2022: Ampel-Koalitionär Hocker (FDP) kämpft mit Gegenwind aus der Branche

AEF 2022 06 15 WebsiteHeftiger Kritik musste sich FDP-Agrarparlamentarier, MdB Dr. Gero Hocker, im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. (kurz: AEF) in Dinklage aussetzen.

Sven Guericke, der Vorstandsvorsitzende des AEF hatte Hocker eingeladen, um Stellung zum Umbau der Tierhaltung in Deutschland und der fehlenden Finanzierung zu beziehen. Über 100 Unternehmensvertreter der Agrar- und Ernährungsbranche waren der Einladung nach Dinklage gefolgt.
In seinen Eingangsworten skizzierte Guericke die schwierige Situation der Tierhalter in Deutschland. Noch nie seien die Herausforderungen für die Branche so immens gewesen. Das gelte nicht nur für die Urproduktion, sondern für die gesamte Wertschöpfungskette. Steigende Energie- und Rohstoffkosten, Anhebung des Mindestlohns, die hohe Inflation sowie niedrige Erzeugererlöse führten zu einer ausweglosen Lage auf den landwirtschaftlichen Höfen, so dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe für immer aufgäben.

Der Politik warf Guericke vor, Grabenkämpfe innerhalb der Koalition auf den Rücken der Landwirte auszutragen und dabei wissentlich die Branche sukzessive ausbluten zu lassen. „Die Regierungskoalition macht bei vielen Themen keinen geschlossenen Eindruck. Es entsteht vielmehr der Verdacht, dass im Fachbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums heute ideologische Überzeugungen einen höheren Stellenwert haben als Sachargumente“, so die Aussage von Guericke. Andere Ministerien zeigen doch, wie sachorientierte Politik funktioniert. Dabei lägen längst tragfähige Empfehlungen für einen wirtschaftlich verträglichen Umbau der Tierhaltung vor. Viel zu lange, so Guericke, habe sowohl die alte Bundesregierung als die jetzige taktiert und sich auf keinen Konsens zum Finanzierungsmodell und zu der Anpassung des Bau- und Immissionsschutzgesetzes einigen können.

Erfreut zeigte sich Guericke indes über die Festlegung der verpflichtenden Haltungskennzeichnung. So sei er erleichtert, dass sich diese nicht an die zuvor angekündigte „Eierkennzeichnung“ anlehne, sondern sich an die bereits am Markt etablierten Haltungsstufen orientiere. Aber er machte auch deutlich, dass die Konzepte der Bundesregierung noch vieles vermissen lassen: die verbindliche Herkunftskennzeichnung, die Einbeziehung der Außer-Haus-Verpflegung und verarbeiteter Ware. All‘ das führe dazu, dass der LEH, die Gastronomie und nicht zuletzt die Verbraucher aufgrund des Preisdrucks verstärkt auf Ware aus dem Ausland zurückgreifen würden. Das dürfte, so Guericke, selbst Cem Özdemir nicht verborgen geblieben sein.

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22.04.2022: AK-Agrar der CDU-Landtagsfraktion zu Besuch auf dem Hof Schmies

2022 04 22 Hof SchmiesFür den bereits seit längerem geplanten Austausch zwischen dem AK-Agrar der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen (AK-Agrar) und der Schweine-besamungsstation Weser-Ems e.V. (SWE) bot der Hof Schmies beste Voraussetzungen. Im Fokus stand die Tierhaltung generell sowie die Sauenhaltung im Speziellen. Landwirt Andreas Schmies zieht mit seiner Familie Ferkel und Mastschweine auf und gewährt als Teilnehmer des Projektes ”Transparente Landwirtschaft” regelmäßig einer breiten Öffentlichkeit Einblick in die Tierhaltung.

Die Initiatoren des Treffens Johannes Korfhage und Christoph Möhlenhaskamp (beide Geschäftsführer SWE) sowie MDL Christoph Eilers (AK-Agrar) konnten für den Austausch ebenfalls Sven Guericke, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. (AEF), und Dr. Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer Niedersachen gewinnen. In der Begrüßung betonte Christoph Eilers die Wichtigkeit des Termin, gerade auch vor dem Hintergrund des aktuellen Ukraine-Konflikts.
Zuerst stellte Korfhage die dramatische Situation der Sauenhalter dar. Eindrücklich hierfür sind die massiven Betriebsaufgaben. ”Es ist mehr als bedenklich, wenn in einem Zeitraum von 10 Jahren 56 % der Sauenhalter in Niedersachsen zur Aufgabe gezwungen werden”, betont der Geschäftsführer. In diesem Zeitraum, haben sich dort die Sauenbestände um 26 % reduziert. In dem sich anschließenden Impulsvortrag von Guericke hob dieser hervor, dass die viel beschworene Transformation der Tierhaltung längst begonnen habe. Aus Sicht des AEF ist die Kanalisierung dieser Transformation der Grundstein für die Zukunftsfähigkeit - nicht nur - der Tierhalter, sondern vielmehr des gesamten ländlichen Raumes. ”Es ist an der Zeit, Landwirten Planungsicherheit im Wirbel zwischen Umweltschutz, Tierschutz und Baurecht zu gewähren”, so der Vorsitzende.

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