Aktuelles

11.11.2019 - Berlin bewegt sich

„Spät, aber noch nicht zu spät haben sich Klöckner und Seehofer entschlossen, das Bau- und Planungsrecht zu ändern“, so kommentierte der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), Uwe Bartels, die Erklärung beider Minister. Bau- und Planungsrecht, das Naturschutz- und Immissionsschutzrecht sowie das Umweltverfahrensrecht haben umbauwillige Betriebe ausgebremst.

Der Umbau von Ställen, der der Verbesserung des Tierwohls dient, bedarf nach den Ankündigungen nicht mehr einer Vorlage eines Bebauungs- bzw. Vorhaben- und Erschließungsplans. Auch der Bestandsschutz umbauwilliger Betriebe werde zukünftig nicht verloren gehen. Damit dürfe jedoch keine Erweiterung des Tierbestandes verbunden sein.

Das AEF habe seit 2015 auf diese für die Tierhalter unerträgliche Situation bei Bund und Land hingewiesen und auf eine Gesetzesänderung gedrungen. „Jetzt endlich ist der Gesetzgeber auf Bundesebene bereit zu handeln“, erklärte Bartels. Dabei dürfte es aber allein nicht bleiben. Auch die Widersprüchlichkeit zwischen den Umweltgesetzen und den Tierwohlverbesserungen, z.B. TA-Luft, müssten schleunigst ausgeräumt werden. Dazu gebe es von Ministerin Klöckner lediglich unverbindliche Ankündigungen. Auch hier lägen die Änderungswünsche von Wissenschaft und Wirtschaft seit Längerem auf dem Tisch.

 

23.10.2019 - Bartels: Agrarpolitik im Kanzleramt zur Chefsache machen

Der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF), Minister a.D. Uwe Bartels, begrüßt die klare Aussage der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, dass die Kanzlerin die Koordinierung der Aktivitäten von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Bereich der Agrarpolitik vornehmen solle. Diese Forderung hatte das AEF bereits vor Monaten der Landesregierung gegenüber angesichts der widersprüchlichen Aktivitäten der Bundesressorts im Zusammenhang mit Vorhaben zur Tierhaltung sowie dem Bau- und Umweltrecht erhoben. Tierhaltung und Ackerbau würden in einer regelrechten Eskalationsspirale jenseits einer fachorientierten Debatte kontrovers öffentlich diskutiert.

Bedauerlicherweise gebe es keinen moderierten Dialogprozess, der diese kontroversen Standpunkte auffängt, bündelt und in einem koordinierten, ressortübergreifenden Handlungskonzept münden lässt. Es fehle an einem orchestrierten Vorgehen auf Bundes- und Landesebene. Bis heute, so Bartels, zeichnet sich keine erkennbare Änderung des Vorgehens beider Ressorts ab. Es seien keine Fortschritte zu einer verbindlichen nationalen Nutztierstrategie erkennbar. Auch herrsche für landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen des vor- und nachgelagerten Bereichs - durch die weiteren bestehenden Zielkonflikte zwischen Tier- und Immissionsschutz sowie weitreichende Bewertungslücken in Genehmigungsverfahren und ungeklärte Finanzierungsfragen - Ungewissheit über die künftige Entwicklung. Perspektive und Verlässlichkeit gibt es nicht für die Betroffenen. „Deshalb ist ein Gesamtkonzept auf der Basis eines Vertrages mit der Gesellschaft dringlicher denn je“, stellte Bartels abschließend fest.

08.10.2019 - Ferkelkastration: Bauern erhöhen den Druck

Verden WebsiteDas Thema „Zukunft der Ferkelkastration“ ist und bleibt ein heiß diskutiertes Eisen, bei dem allen Beteiligten die Zeit davonrennt. Dennoch sind alle Branchenvertreter gewillt, Lösungen zu finden und sich der Diskussion zu stellen. Das wurde bei der gestrigen Fachtagung „Ferkelkastration: Zeit für Antworten!“ deutlich. Eingeladen hatten die Fachzeitschriften top agrar und SUS, der Bundesverband Rind und Schwein (BRS) sowie das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (aef) in Verden a.d. Aller. Klar wurde aber auch, dass die Bauern die Hängepartie so nicht mehr hinnehmen wollen, sie kündigten mehr Widerstand an und legten den Entwurf einer Branchenvereinbarung auf den Tisch.

Spaltung des Ferkelmarktes verhindern
Georg Freisfeld, stellvertretender Geschäftsführer des Erzeugerringes Westfalen, betonte, dass die Kette endlich geschlossen handeln müsse. „Das Schwarze-Peter-Spiel, bei dem jeder die Schuld auf den anderen schiebt, muss ein Ende haben. Andernfalls sehe ich die Gefahr, dass die Ferkelerzeugung in Deutschland ausstirbt“, so Freisfeld. Der Landwirt warnte zudem vor einer Marktspaltung. Männliche Ferkel dürfen künftig nicht abgewertet werden, nur weil sich der Erzeuger für eine bestimmte Kastrationsalternative entschieden hat.

Dietrich Pritschau, Landwirt und stellvertretender Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, ist es ebenfalls leid, weiter abzuwarten. Er ist aus der Kastration ausgestiegen und setzt jetzt auf die Immunokastration. „Ich will nicht mehr nur diskutieren, sondern Fakten schaffen. Für meinen Betrieb ist die Behandlung der Tiere mit Improvac eine praktische Alternative, die sehr gut funktioniert“, berichtete der Unternehmer. Vorteile sieht er darin, dass er kein teures Narkosegerät anschaffen muss und jederzeit in das Verfahren ein- und aussteigen kann. Angst, dass er auf seinen Schweinen sitzen bleibt, hat der Landwirt nicht.
Rewe und Aldi Nord: „Wir akzeptieren alle Verfahren!“

Nina Blankenhagen, Funktionsbereichsleiterin Nachhaltigkeit bei der Rewe Group, bestätigte die Aussagen Pritschaus. Sie erklärte in Richtung der gut 200 Teilnehmer, dass Rewe jede in Deutschland zugelassene Kastrationsalternative akzeptiere. „Wir kaufen das Fleisch von allen männlichen Tieren, egal mit welchem Verfahren die Schweine kastriert wurden. Auch eine Mengenbegrenzung setzen wir nicht“, stellte Blankenhagen klar. Sie betonte ausdrücklich, dass auch der Verbraucher keine Probleme mit den verschiedenen Alternativen habe. „Der Kunde möchte gar nicht wissen, wie das Tier kastriert wurde. Viel wichtiger ist ihm, dass die Ware eine top Qualität hat und schmeckt“, räumte Blankenhagen mit Vorurteilen auf. Maxi Thinius, Managerin Corporate Responsibility bei Aldi Nord, bestätigte Blankenhagens Sicht. „Für Aldi ist die Produktqualität das Einkaufskriterium Nr. 1, danach folgen die Zuschnitte. Erst an dritter Stelle steht für uns die Frage der Kastrationsmethode. Ausdrücklich akzeptieren wir alle zugelassenen Kastrationsalternativen“, so Thinius. Insbesondere Nina Blankenhagen riet allen Beteiligten dazu, endlich aus der Projektphase herauszutreten und mehr Jungeber, immunokastrierte Tiere oder mit Isofluran narkotisierte Schweine zu liefern.

Jetzt aus der Kastration aussteigen!
Dirk Schulze Pellengahr, Sauenhalter aus Westfalen, nahm das zum Anlass und forderte seine Berufskollegen auf, jetzt aus der Kastration auszusteigen. „Der Zeitpunkt ist günstig, da der Markt für Schweinefleisch momentan flott läuft. Lasst uns jetzt aufhören zu kastrieren“, appellierte der Ferkelerzeuger. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, präsentierte er gleich eine Branchenvereinbarung, in der er von den Abnehmern in der Kette unter anderem die kompromisslose Annahme und Vermarktung der Produkte auch von männlichen Tieren forderte. „Wenn es den Branchenbeteiligten wirklich ernst ist, bekennen sie sich jetzt zu den Alternativen und schließen mit den Bauern einen Abnahmepakt“, so Schulze Pellengahr. Unterstützung erhielt der Landwirt unter anderem von Heiko Plate, Geschäftsführer des VzF in Uelzen. „Wir Bauern brauchen Garantien“, so Plate.

Stehen die Fleischverarbeiter auf der Bremse?
Etwas schwerer scheint sich weiterhin die Schlachtbranche mit dem Thema zu tun. Dr. Stephan Kruse von Vion verwies auf die unterschiedlichen Qualitäten der Schlachtkörper. Das hemmt nach wie vor die Akzeptanz im Markt, verwies er auf die angeblich weiterhin bestehende Zurückhaltung einiger Fleischverarbeiter und Lebensmittelhändler. Heribert Qualbrink, Einkaufsleiter bei Westfleisch befürchtet, dass die Unternehmen der Fleischverarbeitung zum Beispiel Schinken ist Zukunft nach weiblich, Kastrat, Improvac und Eber sortieren müssen, weil die Abnehmer das so wünschen. „Aus dieser Zwickmühle müssen wir raus, wir müssen die Produktqualität in den Vordergrund stellen“, so Qualbrink. Probleme sehen die Schlachter und Fleischverarbeiter zudem darin, dass die Schlachtkörper inzwischen in weit über 100 Einzelstücke zerlegt werden. Wenn die Discounter zum Beispiel Schinken von Jungebern ordern, wissen die Verarbeiter oft nicht, wie sie die übrigen Teilstücke absetzen sollen. Einfacher wäre es aus Sicht der Verarbeiter, wenn man ganze Schweinehälften an den Lebensmitteleinzelhandel verkaufen könnte. In diesem Fall würden die Unternehmen die Teilstücke in ihren Fleischcentern selbst verarbeiten.

Um jeden Ferkelerzeuger kämpfen
BRS-Vorstand Paul Hegemann machte am Ende der Veranstaltung deutlich, dass es oberstes Ziel aller Beteiligten sein müsse, jetzt um jeden Ferkelerzeuger in Deutschland zu kämpfen. „Wenn die Kette vom Stall bis zur Ladentheke jetzt nicht erkennt, wie ernst die Lage ist, steigen insbesondere die kleineren Ferkelerzeuger reihenweise aus“, warnte Hegemann vor einem Strukturbruch.

24.09.2019 - Klimaschutz braucht ein Gesamtkonzept

bergabe Manahmenpapier Weil KopieAEF-Maßnahmenpapier „Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ der niedersächsischen Landesregierung überreicht. 

"Ich freue mich, dass das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF), dem über 90 Unternehmen der Branche angehören, einen eigenen Beitrag zur aktuellen Klimaschutzdiskussion leistet und mir am Montag, 23.09. 2019 Vorschläge für ein umfassendes „Maßnahmenpaket Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“ übergeben hat.
Die Landesregierung wird die Vorschläge sorgsam prüfen. Großes Verständnis habe ich insbesondere für die Forderung des AEF, Regelungen für mehr Klima- und Umweltschutz und Regelungen für mehr Tierwohl aufeinander abzustimmen und hierfür ein Gesamtkonzept zu erstellen", so der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil.

Bei einer Zusammenkunft einer AEF-Delegation Anfang August mit dem Ministerpräsidenten und Agrarministerin Otte-Kinast hatten beide Regierungsvertreter es als wünschenswert bezeichnet, wenn aus der Unternehmerschaft des AEF eigene strategische Ziele und konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Klimaschutzleistungen des Sektors und zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen erarbeitet werden. Diesen Impuls hat das AEF aufgegriffen und das Maßnahmenpapier, das zudem mit Aufgaben für Wirtschaft und Politik unterlegt ist, im Rahmen einer hochkarätigen Arbeitsgruppe - unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Harald von Witzke - erarbeitet. Daran haben, neben Vertretern der Wirtschaft, der Verbandsebene und Wissenschaft, auch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mitgewirkt. Mit diesem Papier unterstreicht die Agrar- und Ernährungswirtschaft ihr Bestreben, einen weiteren Beitrag zur Klimaverbesserung zu leisten und auch weiterhin an der Erreichung der von der Bundesregierung verfolgten Klimaziele mitzuarbeiten.

„Allen Akteuren der Branche ist klar, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft den Spagat zwischen den Herausforderungen Welternährung, Anpassung an den Klimawandel und dem Beitrag zur Erhöhung ihrer CO2-Einsparungen leisten muss“, erklärt Bartels. Voraussetzung dazu sei aber ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept. Dieses fehle zurzeit. „Wir wollen nicht den gleichen Fehler machen wie bei dem Klimaschutzgesetz des Bundes, in dem unverbunden Einzelaktivitäten neben einander stehen und teilweise widersprüchlich in der Wirkung sind“, stellte Bartels fest. Die Landwirtschaft werde ihre Möglichkeiten ausschöpfen, wenn die Zielbilder für Tierhaltung und Pflanzenbau vom BMEL verbindlich definiert seien und sich widersprechende Gesetze neu justiert worden sind, z.B. damit Um- und Neubauten in der Tierhaltung überhaupt möglich sind. Auch bedürfe es im Futtermittel- und Pflanzenbereich den Abbau rechtlicher Hürden und schlanker Genehmigungsverfahren. 

Neue Konzepte für ein flächiges Wassermanagement seien dringend erforderlich, um das CO2-Bindungspotenzial von Moor- und Grünlandstandorten zu halten bzw. zu fördern. Gülle, Hühnertrockenkot und Festmist sowie andere Reststoffe sollten über Biogasanlagen vergoren werden. Sojaimporte sollten reduziert und lediglich auf zertifiziertes Importsoja beschränkt werden. Extensivierung sei unter Klimagesichtspunkten abzulehnen, da die Treibhausgasemissionen um ein Vielfaches weltweit verlagert würden.
Hier finden Sie das Maßnahmenpapier "Klimaschutz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft".

08.10.2019 - Fachtagung "Ferkelkastration"

Fotolia 86344864 S Ferkel in BuchtEnde des Jahres 2020 ist die Übergangsfrist für die betäubungslose Ferkelkastration beendet. Trotz der vorangeschrittenen Zeit konnten sich viele Landwirte aufgrund verschiedener Hemmnisse noch nicht für eine der Alternativen entscheiden. Sie müssen wissen, welche Zukunftschancen die Ebermast, der Einsatz von Improvac oder das Narkoseverfahren mit Isofluran haben. Im Rahmen der Fachtagung 

Kastrationsalternativen – welche Verfahren akzeptieren Schlachter, Verarbeiter und der LEH?“ werden am 

Dienstag, 08. Oktober 2019 um 11:00 Uhr
im Haags Hotel Niedersachsenhof, Lindhooperstraße 97 in 27283 Verden/Aller

alle Beteiligten der Kette berichten, wie sie die künftigen Alternativen einschätzen. Spannend dürfte insbesondere die Frage sein, wie groß das Marktpotenzial für die einzelnen Alternativen sein wird. Dazu lädt das AEF – in Kooperation mit der top agrar, der SUS und dem Bundesverband Rind und Schwein – herzlich ein.

Hier finden Sie den Programmflyer.

 Anmeldungen richten Sie gerne an: www.rind-schwein.de/fachtagung-kastration

 Für die Veranstaltung werden drei ATF-Stunden anerkannt.