Aktuelles

08.12.2020 - „Verschärfung der UTP-Richtlinie: Ist das Kräfteverhältnis ausbalanciert?"

Am 18.11.2020 hat das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf für die nationale Umsetzung der UTP-Richtlinie beschlossen. Ende Januar 2021 soll die erste Lesung im Bundestag stattfinden und bis Mai 2021 muss die Richtlinie im deutschen Recht verankert sein.

Diese verbleibende Zeit wollen wir nutzen, um nochmals über das Kräfteverhältnis zwischen den „Big Four“, den vier großen Lebensmittelhandelsketten, und den Landwirten sowie den Lieferanten zu diskutieren.Im Rahmen der Podiumsdiskussion wollen wir gemeinsam die Möglichkeiten einer Ausweitung der Klauselverbote und des Anwendungsbereiches der UTP-Regeln ausloten.

Zu dieser Online-Konferenz laden wir Sie herzlich für den

                     Dienstag, 08. Dezember 2020 um 14:30 Uhr
ein.

Das Impulsreferat wird MdEP Bernd Lange, Vorsitzender des EU-Handelsausschusses, halten. Er wird über den aktuellen Stand der UTP-Richtlinie auf EU-Ebene sowie über das Lieferketten-gesetz informieren. Im Anschluss wollen wir mit folgenden Personen über die UTP-Richtlinie diskutieren:

                     • MdB Gitta Connemann, stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
                     • Dr. Christian von Boetticher, Vorsitzender der BVE
                     • MdEP Bernd Lange, Vorsitzender des EU-Handelsausschusses
                     • Hubertus Paetow, Präsident der DLG (angefragt)

Moderiert wird die Online-Tagung von Johannes Eiken, dem Sprecher der AEF-Arbeitsgruppe „Strategien der Lebensmittelwirtschaft“.
Wir freuen uns über Ihre Teilnahme.

Nach Anmeldung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!erhalten Sie den entsprechenden Einladungslink.

23.11.2020 - Bartels zum Borchert-Papier: "Was die Branche benötigt, sind keine Lippenbekenntnisse und Ideologiebremsen, sondern Offenheit für Innovationen."

AEF veröffentlicht Memorandum zu den Borchert-Empfehlungen

Borchert Empfehlungen websiteDas Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (kurz: AEF) postuliert in einem Memorandum Positionen der Branche zu den Borchert-Empfehlungen zum Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland. Dem Grundgerüst der Borchert’schen Pläne steht das AEF jedoch grundsätzlich positiv gegenüber. Das machte AEF-Vorsitzender Uwe Bartels in der Pressekonferenz vom 20.11.2020 deutlich. „Erstmalig liegt mit diesem Plan ein Konsens vor, der Zielbilder, Meilensteine und den Finanzrahmen für die Mehrarbeit und den Investitionsaufwand für den Umbau der Tierhaltung abbildet.“ Das AEF wolle sich nun mit diesem Memorandum pro-aktiv in den Diskussionsprozess auf Bundesebene einschalten. „Unser Ziel ist es, das Borchert-Konzept umsetzungsreif zu machen“, so Bartels. Erarbeitet wurden die Forderungen von der seitens des AEF etablierten Expertenkreises mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft unter Leitung von Dr. Ralf Kosch. 

Dabei sind zwei Kernforderungen für das AEF maßgeblich: Zum einen die Fokussierung auf die deutliche Erhöhung des Tierwohls. Grundsätzliches Ziel soll die Beibehaltung vorhandener Tierzahlen sein. Eine Reduzierung der Tierzahlen wegen der Nährstoffproblematik oder wegen klimapolitischer Ziele sollte dagegen nicht mit den Zielen des Borchert-Planes verknüpft werden. Die Branche vor Ort sei in der Lage, den anstehenden Transformationsprozess mit innovativen und zukunftsfähigen Lösungsansätzen sowie Leuchtturmprojekten, die auch die Aspekte Ressourcenschonung und Klimaanpassung einbezögen, anzugehen.

Zum zweiten die Sicherung und den Ausbau der Arbeitsplätze in der Veredlungsregion Oldenburger Münsterland und seiner Nachbarlandkreise. Insbesondere diese Region werde massiv von dem Transformationsprozess betroffen sein. Gerade in diesem ländlichen Raum dürften Arbeitsplätze und bestehende Strukturen nicht wegbrechen, so Bartels. Daher sei eine vollumfängliche Folgenabschätzung und Machbarkeitsstudie – auch für die vor- und nachgelagerten Branchen – unerlässlich.
Bartels konstatiert weiter, dass die Politik seit Jahren streite und auf der Stelle trete. „Was die Branche benötigt, sind keine Lippenbekenntnisse und Ideologiebremsen, sondern die Offenheit für Innovationen“.

Das AEF sieht für den Transformationsprozess die zwingende Erfüllung verschiedener Rahmenbedingungen:

1. Konsistente Tierwohlkriterien für alle Tierarten
2. Neujustierung des Bau- und Immissionsschutzgesetzes sowie der TA-Luft auf Bundesebene
3. Ermöglichung innovativer Stallbauten, der damit verbundenen Emissionsmessungen sowie die Vereinfachung von Testställen unter kritischer Begleitung.
4. Staatliches Tierwohllabel mit Verbindlichkeit sowie Herkunftskennzeichnung etablieren
5. Verlässlichkeit der Finanzierung von Mehraufwand und Investitionen bis hin zum Tierhalter.
6. Finanzierung der Tierwohlabgabe mit EU-Recht kompatibel machen und politisch langfristig sichern.
7. Folgenabschätzung für die Auswirkungen des von der Borchert-Kommission vorgeschlagenen Transformationsprozesses auf die Wertschöpfungsketten der Veredelungsregionen sowie ableitende Schlussfolgerungen für die konkrete Ausgestaltung des Transformationsprozesses. 
8. Kontinuierliche Einbindung und Berücksichtigung der Kompetenz der Wirtschaftsunternehmen in die weitere Ausarbeitung und Umsetzung eines wirklich praktikablen Transformationsprozesses des Borchert-Planes.

Dazu der Sprecher des Expertenkreises Kosch: „Mit diesem Papier möchten wir nicht nur unsere Forderungen abbilden, sondern auch auf Hürden und Fallstricke hinweisen, die bei der weiteren Bearbeitung der Pläne Berücksichtigung finden müssen.“ Das AEF will sich auch weiterhin pro-aktiv mit der Kompetenz seiner ca. 100 Mitgliedsunternehmen an der Diskussion auf Bundesebene beteiligen.

Hier gelangen Sie zu dem Memorandum.

19.11.2020 - Bartels fordert konkrete, verlässliche und rasche Handlungsgrundlagen für den Umbau der Tierhaltung

MGV 2020 WebsiteVechta, 20.11.2020 – Bedrohlicher Schweinestau in den Ställen aufgrund mangelnder Kapazitäten in den Schlachthöfen, wegbrechende Exportmärkte aufgrund der Afrikanischen Schweinepest sowie Forderungen zum Umbau der Nutztierhaltung: Das waren die vorrangigen Themen, die am 19.11.2020 im Rahmen der Online-Mitgliederversammlung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (kurz: AEF) mit etwa 100 Teilnehmern diskutiert wurden. Uwe Bartels, AEF-Vorsitzender, hatte die niedersächsische Ministerin Barbara Otte-Kinast eingeladen, um zu diesen Herausforderungen Stellung zu beziehen.

Große Sorgen machte sich Bartels um die existenzbedrohliche Situation am derzeitigen Schweinemarkt und auf den Höfen. „Die Landwirte benötigen dringend verlässliche und zukunftsfähige Grundlagen für ihr Handeln – dies rasch und konkret, da wertvolle Zeit verstreicht“, appellierte Bartels in Richtung Ministerin. Das betreffe insbesondere auch die längst überfallige Anpassung des Bau- und Immissionsschutzrechts, die das AEF bereits seit Jahren fordere. Auch das fortwährende „Draufsatteln“ bei den Tierwohlkriterien auf Bundesebene prangerte Bartels an. Das AEF, so seine Aussage, stünde grundsätzlich hinter dem Gerüst des Borchert-Planes. Verständigung über Tierwohlkriterien, Klarheit und Verlässlichkeit über die Finanzierung müssten jedoch auf Bundesebene sorgfältig auf ihre Folgen hin geprüft werden. Eine Arbeitsgruppe des AEF unter Leitung von Dr. Ralf Kosch habe dazu ein Positions- und Forderungspapier entwickelt, das er der Ministerin virtuell an die Hand gab. Ein Lob sprach Bartels der Ministerin für das Vorgehen des „Niedersächsischen Weges zur Artenvielfalt“ aus. Hier sei es gelungen, alle Beteiligten zu einem Konsens zu bewegen.

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29.10.2020: Fachkräftemangel und nachhaltiges Wassermanagement sind dringliche Themen der Lebensmittelwirtschaft

Strategien der LWDas Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) unter Vorsitz von Uwe Bartels will sich künftig in seiner am 29.10.2020 neu konstituierten Arbeitsgruppe - unter Leitung von Johannes Eiken – verstärkt mit aktuellen Herausforderungen und Strategien der Lebensmittelwirtschaft befassen. Dabei will das AEF zunächst die zwei dringlichsten Themen „Fachkräftemangel in der Lebensmittelwirtschaft“ sowie „Nachhaltiges Wassermanagement“ in den Fokus nehmen.

Vor dem Hintergrund des derzeitigen „Schlachtstaus“ in den Schlachthöfen und den möglichen Auswirkungen des Arbeitzeitkontrollgesetzes kam das 12-köpfige Gremium aus Unternehmensvertretern überein, dass es dringender Fachkräfte- und Arbeitszeitkonzepte für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft bedarf. Auch müsse die ungeklärte Wohnraumsituation für Fachkräfte, z.B. fehlende Unterstützung für Neubauprojekte, Zimmerbelegung, etc., in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunen gelöst werden.
„Es müssen schnelle, praktikable und nachhaltige Lösungen gefunden werden, damit die Betriebe künftig vollumfänglich Schlachtungen und Zerlegungen durchführen können. Das gilt insbesondere auch für die Zeit nach Corona.“, so die zentrale Aussage Bartels.

Als weiteres Schwerpunktthema soll die in der Gesellschaft kontrovers diskutierte Wasserthematik sein. Immer wieder stehen Wirtschaftsunternehmen und deren wasserintensive Produktionen im Blickpunkt. Hier will die Arbeitsgruppe Zukunftsszenarien und Lösungsansätze für ein möglichst nachhaltiges Wassermanagement aufzeigen und erarbeiten.

Als weitere künftige Themenblöcke der Arbeitsgruppe wurden der Konzentrationsprozess im LEH, die Förderung von Innovationen / Forschungsprojekten im regionalen Mittelstand sowie die Stärkung von Existenzgründungen und Startups vor Ort in der Region, Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Agrar- und Ernährungsbranche sowie Nachhaltigkeitsthemen, wie Klimaneutralität und CO2-Footprint, benannt.

17.09.2020: Landwirte fordern faire Bedingungen für die Vermarktung ihrer Produkte

Das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. unter Vorsitz von Min.a.D. Uwe Bartels hat am 17.09.2020 hochkarätige Vertreter der Wertschöpfungskette Agrar- und Ernährungswirtschaft in das Rathaus Vechta eingeladen, um sich mit den Strategien des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zu beschäftigen. Es wurden insbesondere die Fragestellungen „Wie positionieren sich die Handelspartner“ und „Welche Geschäftsmodelle werden innerhalb der Branche neu gedacht?“ beleuchtet. Dr. Johannes Simons, Agrarwissenschaftler und Marktforscher von der Universität Bonn setzte mit der Vorstellung seiner Studie „„Die Bedeutung der Strategien des LEH für die Landwirtschaft in Deutschland“ vor etwa 70 Personen den entsprechenden Impuls. Die Veranstaltung wurde von Uwe Haring moderiert.

Bartels hob in seinem Eingangsstatement die Intention dieses Treffens hervor. Das AEF möchte bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen, mit der sich die gesamte Branche konfrontiert sieht, pro-aktiv begleiten. Die Urproduktion müsse sich rechtzeitig auf die sich ändernden Strategien des LEH und der Verarbeiter einstellen und eigene Strategien entwickeln. Die Studie der Edmund-Rehwinkel-Stiftung gebe da wichtige Impulse. Wichtig sei bei diesem Transformationsprozess eine vertrauensvolle und wertschätzende Zusammenarbeit aller Akteure.

Dr. Simons stellte in seinem Vortrag fest, dass die Unternehmen des LEH untereinander in einem intensiven Wettbewerb stünden und dieses erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette habe. Dabei könnten Kostensenkungen und Kooperationen zu einer Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungsketten beitragen. Er konstatierte, dass die Möglichkeiten für zusätzliche Gewinne aus regional und nachhaltig erzeugten Produkten längerfristig als gering einzustufen seien.

Albert Schulte to Brinke, Präsident des Niedersächsischen Landvolks, stellte in seinen Ausführungen heraus, dass die deutsche Landwirtschaft erheblich unter dem Import aus Drittländern zu leiden habe. Diese Produkte würden unter wesentlich schlechteren Kriterien produziert und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte erheblich schwächen. Vor diesem Hintergrund forderte er von dem LEH faire Chancen für die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte. Von der Bundesregierung erhoffte er sich eine bessere politische Zuverlässigkeit, um die Planungssicherheit bei den Landwirten zu gewährleisten. Klare Worte fand Schulte to Brinke, was den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und den damit einhergehenden Preisverfall betrifft. Davon seien vornehmlich die Sauenhalter, die ohnehin schon vor enorm hohen ordnungsrechtlichen Herausforderungen stünden, betroffen.
Der Vertreter aus der verarbeitenden Branche, Steen Sönnichsen, Geschäftsführendes Vorstandsmitglieder der Westfleisch SCE aus Münster, vertrat die Ansicht, dass es noch nie so schlecht um die Reputation der Lebensmittel und der gesamten Branche gestanden habe. International hingegen spiele die Lebensmittel-produktion in Deutschland gleichwohl in der Champions-League. „Wir als Akteure der Lebensmittelbranche müssen einheitlich und gemeinsam auftreten, um das Bild der Branche wieder ins rechte Licht zu rücken. Dabei müssen wir auch in den LEH ins Boot holen.“, so Sönnichsen.

 Dass der LEH auch gewissen Zwängen unterliege, machte Rudolf Behr von der BEHR Gemüsebau AG aus Seevetal deutlich. So müsse der LEH jeden Tag um den Konsumenten buhlen. Das sei ein großer Zwang, der täglich bewältigt werden müsse. Dabei sei der LEH lediglich als Vermittler zu sehen. Die emotionale Seite müsse vom Landwirt bedient werden.

Angesprochen wurde auch das von Bundesministerin Julia Klöckner geplante Preiswerbeverbot. Alle Teilnehmer des Podiums betrachteten dieses als wenig probates Mittel an, um die Bemühungen der Landwirte und der weiteren Stakeholder in der Wertschöpfungskette finanziell zu honorieren.
Auch was den wachsenden Wunsch der Konsumenten nach regional produzierten Lebensmitteln anbelange, waren sich die Teilnehmer einig, dass Regionalität zwar an zunehmender Bedeutung gewinne, aber weiterhin als Nischenprodukt einzuschätzen sei. Ebenso spiele Unternehmensgröße keine Rolle bei der Produktion regionaler Ware. Das zeigten eindeutig die Entwicklungen im Discounterbereich. Hier vermische sich Regionalität mit Größe.
Wachsen und sich dabei erfolgreich auf dem Markt bewegen – das könne durch innovative Lösungsansätze gelingen. Behr blickte in Richtung Zukunft und schilderte seine Vision, dass durch logistische Entwicklungen künftig Frischware per Drohne direkt an das Fenster, an dem ein Außenkühlschrank befestigt sei, geliefert würde. Sönnichsen wünschte sich innovative Fortschritte in Richtung Verbesserung des Geschmackserlebnisses, Dr. Simons sieht Innovationspotential bei der weiteren Entwicklung von Fleischersatzprodukten und Schulte to Brinke bei dem technischen Fortschritt im Ackerbau und in der Pflanzenzucht.