15.06.2018 - „Perlen vor die Säue“ – Antworten des Oldenburger Münsterlandes auf die Herausforderungen der modernen Tierhaltung.

MikroalgenPressekonferenz am 15.06.2018 im Landgasthof Engelmannsbäke in Visbek

Unter dem Titel „Perlen vor die Säue – Innovatives Mikroalgen-Konzept“ hat am 15.06.2018 die nunmehr vierte „AGRIVIZION-Pressekonferenzreihe“ in Visbek stattgefunden. Initiiert wurde diese Pressekonferenz von dem Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) unter Vorsitz des ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsministers Uwe Bartels.

Mit der Veranstaltungsreihe „AGRIVIZION – Oldenburger Münsterland. Wir machen Zukunft“, die vom EU-Förderprogramm LEADER und dem Landkreis Vechta gefördert wird, hat das AEF die Bedeutung der gesamten Region als Innovationszentrum für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft herausgestellt.
Bei dieser nunmehr letzten Pressekonferenz wurde ein Produktionssystem für die Phytopharmazie, ein Photobioreaktor, vorgestellt. Vom Unternehmer Rudolf Cordes aus Langförden entwickelt, werden aus Mikroalgen Substanze mit antibiotischer Wirkung hergestellt. Die Gefahr der Resistenzbildung durch den Einsatz herkömmlicher antimikrobiell wirksamer Medikamente ist wissenschaftlich bewiesen und stellt die Human- und die Veterinärmedizin vor hohen Herausforderungen. Zudem steht der Einsatz von Antibiotika in der intensiven Tierhaltung zunehmend in der Kritik. Gerade das Oldenburger Münsterland, eine Region mit bekanntlich intensiver Nutztierhaltung, ist gefordert für diese Herausforderungen nach alternativen Lösungen zu suchen.

Uwe Bartels machte in seinem Grußwort deutlich: „Wir befinden uns in der Agrar- und Ernährungswirtschaft in einem Transformationsprozess. Der Wertewandel in der Gesellschaft macht in der Agrar- und Ernährungswirtschaft – und speziell bezogen auf die Nutztierhaltung – diesen Transformationsprozess notwendig. Deshalb sind innovative Lösungsansätze, gerade solche wie das Mikroalgenprodukt mit antibiotischer Wirkung, das in der Tierhaltung Anwendung finden könnte, für die Zukunft der Nutztierhaltung immens wichtig. Trotz aller präventiven Maßnahmen zur Verbesserung der Tiergesundheit müssen unsere erkrankten Tiere mit Antibiotika behandelt werden“, so Bartels.

Der Unternehmer Cordes informierte über den Herstellungsprozess dieser Mikroalgen. „Von den 40.000 norddeutschen Mikroalgen haben wie bei den Heil- und Arzneipflanzen viele eine Wirkung wie Antibiotika. Diese sekundären Inhaltsstoffe schützen die Pflanzen vor Pilzen, Bakterien und Viren und haben die einmalige Eigenschaft, dass sich keine Resistenzen wie beim Antibiotika bilden können“, so die zentrale Aussage des Unternehmers Cordes.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet durch das An-Institut „Synthetische Mikrobiologie“ der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Die Leiterin des Institutes, Professorin Dr. Ilka Maria Axmann, konstatierte: „Mikroalgen gewinnen Energie aus dem Sonnenlicht, wie Pflanzen, sind aber um ein vielfaches genügsamer im Hinblick auf immer knapper werdende Ressourcen wie Düngemittel, Agrarfläche oder Trinkwasser. Damit sind Mikroalgen prädestiniert für die Produktion von wertvollen Naturstoffen z.B. bioaktiven Terpenen. Erste Studien deuten auf eine Stärkung der Immunabwehr von Tieren hin durch die Fütterung von Mikroalgen, was langfristig den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung reduzieren könnte.“
Anschließend wurde der Photobioreaktor zur Produktion und Vermehrung dieser Mikroanlagen in Großenkneten von den Journalisten und Interessierten besichtigt. Dort stellte sich Cordes den Fragen der Anwesenden.