04.06.2019 - Kritik des AEF zum staatlichen Tierwohllabel

Logo Staatl. Tierwohllabel„Für das staatliche Tierwohllabel fehlt noch immer eine klar verlässliche Zieldefinition mit konkreten Aussagen, wie diese Ziele unter den herrschenden Marktbedingungen - aber auch vor dem Hintergrund rechtlicher Hindernisse - überhaupt umgesetzt werden können“. Dies stellte der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, Minister a.D. Uwe Bartels, im Zusammenhang mit der Stellungnahme der Bundesministerin Julia Klöckner zu den Ergebnissen des Projektes „Stall der Zukunft“ fest.

Exakt diese Problematik sowie die erheblichen Kosten der Um- und Neubauten für tierwohlgerechte Ställe und die noch fehlende Bereitschaft der Verbraucherinnen und Verbraucher, dafür zu zahlen, sei eine zentrale Aussage der Projektbeteiligten gewesen. Die Bundesministerin blendet diese klaren Erkenntnisse bei ihren Überlegungen zum staatlichen Tierwohllabel aus und unternimmt keinerlei Bemühungen, die schweren Mängel abzustellen.

Vor diesem Hintergrund aktualisiert das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland seine Forderungen zu einem staatlichen Tierwohllabel in einem Positionspapier, das es an die Agrarministerien der Länder und an das Bundesministerium geschickt hat.

Bartels machte noch einmal deutlich, dass eine verpflichtende Einbeziehung jeglichen Fleisches, welches in den Verzehr geht, erforderlich sei. Die gesamte Palette von Fleisch- und Fleischwaren sowie alle Marktsegmente (inkl. Großhandel und Gastronomie) müssen erfasst werden. Für einen echten Mehrwert bei der Verbraucherorientierung müsse analog zur Eierkennzeichnung auch der nationale gesetzliche Standard als Basis gekennzeichnet werden. Zusätzlich zur Kennzeichnung der Haltungsform müsse – ebenfalls analog zur Eierkenn-zeichnung – auch die Herkunft gekennzeichnet werden. Gleichzeitig müsse eine klare Definition eines konkreten Transformationsprozesses gegeben werden, der die landwirtschaftlichen Betriebe in die Lage versetzt, eine wettbewerbsfähige Weiterentwicklung der Ställe aus gesellschaftlicher, genehmigungsrechtlicher und wirtschaftlicher Sicht planbar und verlässlich zu gestalten.

Ein unterstützendes Finanzierungsmodell, welches die Finanzierungslücken zwischen zu erwartenden Produktionskosten auf Anbieterseite und Zahlungsbereitschaft auf nachfragender Seite schließt, sei zwingend erforderlich, so Bartels abschließend.