25.06.2019: Nutztierhaltung im Spiegel der Gesellschaft

Simons 2019Wie und mit welchen realistischen Instrumenten kann es der Agrar- und Ernährungsbranche gelingen, dem Verbraucher die moderne Nutztierhaltung näherzubringen? Das machte Dr. Johannes Simons von der Rheinischen Universität Bonn im Rahmen einer Netzwerkveranstaltung vom 25.06.2019 im Kreishaus Vechta, zu der das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland unter Vorsitz von Uwe Bartels geladen hatte, deutlich. Simons war maßgeblich an der BMEL-Studie „Social Lab“ beteiligt, welche die Kritik an der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung durch unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen untersucht hat.

Dabei machte er deutlich, dass eine rein sachorientierte Kommunikation nicht ausreiche, um mehr Akzeptanz für die Nutztierhaltung zu erreichen. Vielmehr müsse die Branche versuchen, die Widersprüchlichkeit und die Wahrnehmung des Verbrauchers zu verstehen. Dabei spielten Sehnsüchte und Ängste der Gesellschaft eine wesentliche Rolle. Die Wahrnehmung und Akzeptanz der Nutztierhaltung werde nicht durch Sachlogik, sondern durch eine sog. Psycho-Logik bestimmt. Verbraucher und Bürger wüssten wenig oder gar nichts über Nutztierhaltung und entwickelten deshalb Ängste. Daher rät Simons der Branche, vielmehr die Probleme der Verbraucher anzuerkennen, Aktivitäten mit guten Geschichten zu präsentieren und Gemeinsamkeiten mit Verbrauchern herauszustellen. „Keinesfalls sollte die Branche ihre Herausforderungen kleinreden oder negieren, sonst entsteht ein absoluter Vertrauensbruch auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen. “, so die zentrale Aussage Simons.

Bartels sieht mit dieser Aussage die Arbeit des AEF bestätigt. Seit Jahren plädiere das AEF für eine offene und ehrliche Kommunikation. Probleme würden selbstkritisch angesprochen und innerhalb seiner Arbeitsgruppen arbeite das AEF pro-aktiv an Lösungsansätzen. Exemplarisch nannte Bartels die Antibiotikareduzierung mit dem Projekt aniplus und das Thema Ferkelkastration. Er wies zudem auf das AEF-Positionspapier zu dem geplanten staatlichen Tierwohllabel des BMEL hin. Darin beschreibt das AEF einen Weg, um dem Verbraucher eine glaubwürdige Orientierung für mehr Tierwohl zu geben, verbunden mit einer hohen Marktdurchdringung und der Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen und Struktureinbrüchen. „Wir sind hoch erfreut, dass die niedersächsische Landesregierung sich unseren Argumenten gegenüber aufgeschlossen gezeigt und diese Positionen in ihrem Entschließungsantrag für die nächste Bundesratssitzung in dieser Woche bekräftigt hat“, so Bartels. Er hofft auf Unterstützung dieses Antrages von allen Bundesländern.