23.02.2022: Gemeinsam auf nachhaltige Zukunft setzen - Regionale Wirtschaft, Politik und Universität Vechta unterzeichnen Kooperationsvertrag für Zusammenarbeit auf Augenhöhe

2022 02 23 Kooperation UniAm 23. Februar 2022 fanden sich Vertreter*innen der regionalen Wirtschaft und Politik in der Universität Vechta ein, um einen Kooperationsvertrag zur Einrichtung eines Forschungsclusters „Nachhaltigkeitsorientierte Transformationsforschung in ländlichen Räumen“ mit dem Präsidium der Hochschule zu unterzeichnen. Ziel des Clusters ist es, Transformationsprozesse zu verstehen, zu gestalten und zu managen und damit Perspektiven für ländliche Räume und insbesondere den Nordwesten Niedersachsens im Wandel zu erarbeiten. Das neu eingerichtete Cluster dient als thematisches Zentrum für die vier Stiftungsprofessuren, die von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), dem Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V. (AEF), den Landkreisen Cloppenburg und Vechta sowie den Genossenschaften im Nordwesten Niedersachsens und der Raiffeisen-Stiftung, Berlin, für einen Zeitraum von 6 Jahren finanziert werden. Die Stiftungssumme beläuft sich auf 3,5 Millionen Euro – dafür geben die IHK und das AEF jeweils eine Million Euro; der Landkreis Vechta, der Landkreis Cloppenburg als auch die Genossenschaften zusammen mit der Raiffeisen-Stiftung stiften jeweils 500.000 Euro.

„Ich mich freue mich sehr, dass heute mit der Vertragsunterzeichnung der Startschuss für das Cluster gegeben werden konnte“, sagte Universitätspräsidentin Prof.in Dr.in Verena Pietzner. „Angesichts der multidimensionalen und hochkomplexen Herausforderungen für ländliche Räume ist es notwendig, transdisziplinär zu denken und zu handeln. Dabei organisiert Forschung einen gemeinsamen Lern- und Entwicklungsprozess zwischen Gesellschaft und Wissenschaft.“ So wird das Cluster eng verzahnt mit allen Einrichtungen der Universität und der Region, um von Beginn an optimale Synergieeffekte zu erzielen und den Austausch zwischen den stiftenden Einrichtungen zu organisieren. „Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft arbeiten auf Augenhöhe zusammen und entwickeln über Forschungsprojekte innovative Ansätze, Modelle, Prozesse, Angebote und Produkte für die Zukunft unserer Region. Die hohe Agilität der Clusterorganisation sichert zudem sehr gute Chancen, zentralen Fragestellungen dynamisch zu begegnen“, so Prof.in Dr.in Verena Pietzner.

Das Leitungsgremium des Clusters wird durch vier Vertretungen der Stiftenden sowie Universitätspräsidentin Prof.in Dr.in Verena Pietzner, Vizepräsidentin für Finanzen und Verwaltung Dr.in Marion Rieken, Prof.in Dr.in Jantje Halberstadt als Repräsentantin der Gründungsinitiative des Oldenburger Münsterlandes – dem EXIST-Projekt TRENDi – und Dr.in Barbara Grabkowsky, Leiterin des Verbunds Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) besetzt. Bereits hier bieten sich Möglichkeiten der geplanten Umsetzung: Halberstadt und Grabkowsky sind als Gründungsmitglieder des VISTRA (Vechta Institute for Sustainability Transformation in Rural Areas), national wie international sehr gut vernetzt, so dass auch mit weiteren Projekten der Universität, regionalen und überregionalen Forschungs- und Wirtschaftseinrichtungen Synergieeffekte erzielt werden können.

Die Koordination des Clusters übernimmt Dr. Johannes Wilking, der als Mitarbeiter der Universität Vechta die Aspekte von Wissenschaft und Wirtschaft in Einklang bringen wird.

Der Präsident der Oldenburgischen IHK, Jan Müller freut sich, dass die aus seinem Hause finanzierte Professur im Bereich „Nachhaltigkeitsorientiertes Entrepreneurship“ nun im Forschungscluster positioniert wird. „Die Herausforderungen für ländlich geprägte Regionen nehmen Jahr für Jahr zu. Ob demografischer Wandel, Klimawandel oder Digitalisierung – die Auswirkungen der Megatrends sind im ländlichen Raum fast immer besonders stark zu spüren. Das stellt auch die Wirtschaft vor große Aufgaben. Sie muss dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegenwirken, verstärkt in Klimaschutz und Klimaanpassung investieren, die digitale Transformation gestalten und dabei mit einer perspektivisch abnehmenden und älter werdenden Bevölkerung auf dem Land zurechtkommen,“ so Müller. „Technische, ökonomische und soziale Innovationen sind für ländliche Regionen daher essentiell. Wir sind zuversichtlich, dass die Universität Vechta mit dem neuen Forschungscluster wertvolle Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung, für innovative Dienstleistungen und auch für die politischen Rahmenbedingungen geben kann. Deshalb engagiert sich die Oldenburgische IHK für dieses Forschungscluster mit der Finanzierung einer Stiftungsprofessur."

Auch Sven Guericke, Vorstandsvorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. freut sich, dass es gemeinsam mit der Universität Vechta gelungen sei, ein Forschungscluster zu etablieren, das praxisorientierte und nachhaltig tragfähige und vor allem innovative Lösungen für die Herausforderungen der bedeutsamsten Wirtschaftsbranchen in dieser Region erarbeiten wird. „Mit der Finanzierung der Stiftungsprofessur „Nachhaltigkeitsorientierte Produktionsökonomie“ zeigen die im AEF engagierten Unternehmen auch ihre Wertschätzung für die bisherigen Leistungen in der Agrar- und Transformationsforschung an der Universität Vechta. Mit der Einrichtung des Forschungsclusters gewinnt dieser Bereich weitere Bedeutung.“, so Guericke. Das AEF erhoffe sich zudem eine noch stärker auf die Entwicklung der Region abzielende und nachhaltigkeitsorientierte Entwicklung von Zielbildern für zukunftsorientierte Wirtschaftsnetzwerke und Produktionssysteme und damit eine Stärkung der Zukunftsfähigkeit sowohl für die Region als auch für die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft unserer Region.

Auch der Landkreis Vechta setzt bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Region auf die Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und positive Steuerungseffekte. Das neue Forschungscluster sei ein starkes Signal der Zusammenarbeit zwischen Universität, Landkreisen, IHK, Genossenschaftsverband und AEF, so Tobias Gerdesmeyer, Landrat des Landkreises Vechta. „Die Zukunft unserer Region hängt ganz entscheidend an der Frage, wie gut wir die Transformationsprozesse in ländlichen Räumen managen. Ich bin sicher, dass das neue Forschungscluster hierfür wichtige Impulse liefern wird. Im Netzwerk mit trafo:agrar, VISTRA, dem Forschungsverbund 4N und weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen kann die ganze Region von der Forschungsarbeit profitieren.“ betonte der Landrat. Der Landkreis Vechta finanziert gemeinsam mit dem Landkreis Cloppenburg die Professur „Bioökonomie und Ressourceneffizienz“.
Der Erfolg der Region hängt dabei auch maßgeblich von der wirtschaftlichen Stabilität der Unternehmen und ihrer Innovationsfähigkeit aus finanzieller Perspektive ab. Daher ist die Stiftungsprofessur „Transformationsmanagement in ländlichen Räumen“ der Genossenschaften im Nordwesten Niedersachsens und der Raiffeisen-Stiftung ein ebenso wichtiger Baustein im Forschungscluster. Seit über 150 Jahren seien Genossenschaften vor Ort maßgebliche Mitgestalter und aktiver Teil des ländlichen Raumes. Die heute mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland seien ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschafteten mit langfristiger Perspektive, förderten ihre Mitglieder und seien in der Region verankert, so Dr. Martin Kühling, Volksbank Vechta eG Sprecher für die genossenschaftlichen Stifter. „Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus. Aus all diesen Gründen war von Anfang an klar, dass sich die genossenschaftlichen Unternehmen in Weser-Ems gemeinsam über die Professur „Transformationsmanagement in ländlichen Räumen“ am Forschungscluster beteiligen und so ihren Beitrag zur Transformation des ländlichen Raumes leisten“, ergänzt Kühling.