14.03.2014 - Tierschützer Thomas Schröder zu Gast beim Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e.V.

Kopie von_IMG_8040Stapelfeld. Welche Parameter gelten für das neu entwickelte Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes und wie hoch wird das Vermarktungspotenzial solcher Produkte eingeschätzt? Für diese und weitere Fragen standen der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, und Peter Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe Rede und Antwort auf der diesjährigen Mitglieder-versammlung des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. 

Rund 80 Unternehmensvertreter der heimischen Branche folgten der Einladung des ehemaligen Landwirtschaftsministers und heutigen AEF-Vorsitzenden Uwe Bartels am 14.03.2013 in die Katholische Akademie Stapelfeld. Im Rahmen seiner strategischen Neuausrichtung habe sich das AEF neben den Schwerpunkten Tiergesundheit, Nährstoffproblematik, Wachstumspotenzial im Oldenburger Münsterland und der Werkvertragssituation auch das Thema Tierwohl auf die Fahnen geschrieben. Die heute gesellschaftlich und politisch geführte Debatte erfordere, dass sich die Branche auf ein „Mehr" an Tierschutz einlassen müsse, so Bartels.

Die Achillesferse der Region, so Bartels, sei die Nährstoffproblematik im Oldenburger Münsterland. In dem Projekt Bioenergie-Region Südoldenburg arbeite man mit Vertretern der Landwirtschaftskammer und der Wissenschaft an intelligenten Lösungen einer nachhaltigen und überregionalen Nährstoffverteilung, sowohl unter ökonomischen als auch ökologischen Aspekten.
Für alle genannten Themen gelte es - gemeinsam mit den Unternehmern - praxisnahe Lösungsansätze in Expertengruppen zu erarbeiten und diese erfolgreich in die Wertschöpfungskette zu implementieren. Denn letztlich, so bringt es Bartels auf den Punkt, ist das Know-how seiner Mitgliedsunternehmen und deren Mitarbeiter unerlässlich, um die wirtschaftliche Zukunft der Region und auch die der gesamten Agrar- und Ernährungsbranche nachhaltig zu sichern.
In seinem Vortrag machte Thomas Schröder deutlich, welche Anforderungen das neu entwickelte Tierschutzlabel an eine tiergerechte Haltung bei der Urproduktion stelle. Das Label unterscheide zwischen der Einstiegsstufe, deren Parameter bereits über den gesetzlichen Vorgaben liegen, sowie dem Premienstandard. Hier werden die Anforderungen noch höher als bei der Einstiegsstufe gesteckt. Das Labelprogramm und dessen Standardisierung werden unterstützend durch Forschung, Facharbeitsgruppen und dem Labelbeirat flankiert.
Für den Geflügelbereich hat das Unternehmen Wiesenhof mit der Markteinführung des „Privathof-Geflügel" bereits eine Vorreiterrolle eingenommen. Peter Wesjohann misst der gesellschaftlichen Debatte um die Nutztierhaltung eine große Tragweite bei, deshalb habe sich der Konzern für ein Labelling mit dem Tierschutzlabel entschieden. Mit dem Privathof-Geflügel bietet der Konzern dem Verbraucher ein bezahlbares Produkt mit einem Mehrwert an Tierwohl. Branchenkenner räumen diesen Produkten ein Marktpotenzial von bis zu 20% ein. Wesjohann ist überzeugt, dass mit diesem Label die Aspekte Lebensmittelsicherheit, Verbraucher- und Tierschutz in Einklang gebracht werden.
In der anschließenden Diskussion wird deutlich, dass der niedersächsischen Landesregierung eine wichtige Schlüsselrolle bei der Tierschutzdebatte zukommt. Abrupte Änderungen der politischen Rahmendaten behinderten den erfolgreichen Anpassungsprozess. Der Landwirt müsse für sein verstärktes Engagement entsprechend honoriert werde. Gleichwohl muss der Verbraucher bereit sein, höhere Verkaufspreise an der Fleischtheke in Kauf zu nehmen. Dann werde das Konzept nachhaltig und erfolgreich sein.
Zu den diesjährigen Vorstandswahlen trat die gesamte bisherige Vorstandsriege gemeinsam wieder an. Die Mitgliedsunternehmen erteilen dem Vorstand einstimmig das neue Mandat. In dieser Konstellation wird das AEF während der nächsten drei Jahre seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen.