Zukunft in Einklang mit Natur, Umwelt und Gesellschaft gestalten

Agrar- und Ernährungsforum fordert zum aktiven Handeln auf

DSC 0053Vechta, 27. März 2014 - Die „Billig-Fleisch"-Initiative einiger Discounter, die Gülle-Problematik und die Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes in der Tierhaltung waren nur einige der aktuellen Themen, mit denen sich die Mitglieder des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland e.V. (aef) bei ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung intensiv auseinandersetzten.

Ludger Ellert und Dr. Martin Kühling, Vorstandsmitglieder der Volksbank Vechta, in deren Räume die Versammlung stattfand, begrüßten als Gastgeber die zahlreichen Unternehmer, die sich vom aef-Vorstand über das vergangene Jahr sowie aktuelle Vorhaben informieren ließen.

„Es war ein ereignisreiches und auch arbeitsreiches Jahr", betonte aef-Vorsitzender Uwe Bartels und machte gleich zu Beginn seiner Rede deutlich, dass dringend dem vorherrschenden negativen Image des Oldenburger Münsterlandes aktiv entgegengewirkt werden müsse: „Wichtig ist hierbei, dass wir – das Oldenburger Münsterland und seine Akteure - als Ganzes auftreten und wahrgenommen werden und nicht als Einzelkämpfer. Es muss immer deutlich werden: Hier ist eine Region in großer Geschlossenheit dabei, ihre Probleme zu lösen und damit ihre Zukunft in Einklang mit Natur, Umwelt und Gesellschaft zu gestalten", machte Bartels den Anwesenden deutlich. Wichtig sei es dabei, die Interessen und Befürchtungen der Bevölkerung ernst zu nehmen und ganz offensiv das Gespräch mit Interessensverbänden und Bürgerinitiativen zu suchen.

Bartels erinnerte an das aus Bundes-, Kommunal und Eigenmitteln geförderten Projekt „Bioenergie-Region Südoldenburg", das konzeptionelle Lösungen für die Nährstoffüberschuss-Problematik erarbeitet. Dringend geboten seien technisch mögliche Optimierungsmaßnahmen wie der verstärkte Einsatz von Gülle und anderen Reststoffen in den heimischen Biogasanlagen sowie die Nutzung der Wärme zur Trocknung von Gärresten. „Wir benötigen technische Lösungen zur Aufbereitung von Gülle und Festmist vor Ort", mahnte Bartels an, um für den verstärkten Export in nährstoffarme Gebiete, aber auch für eine im Seuchenfall notwendige langfristige Lagerung vor Ort gewappnet zu

sein. Gleichzeitig kritisierte er fatale Fehlentwicklungen beim neuen EEG, die aus seiner Sicht dringend verhindert werden müssten.

Beim aktuellen Thema Antibiotika-Einsatz machte er noch einmal deutlich, wie wichtig die Herausgabe des „Strategiehandbuches zur Tiergesundheit" gewesen sei. Als nächster Schritt sei eine onlinebasierte Informationsplattform geplant, für die aber noch die notwendigen Finanzierungsmittel beantragt werden müssten.

Mit Unverständnis reagierte Bartels auf die Billig-Fleisch-Kampagne in führenden Discountern. Diese Aktion würde alle Bestrebungen der letzten Jahre, in denen das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln gestärkt werden sollte, wieder zunichtegemacht. Außerdem sei die Kampagne ein fataler Rückschritt bei den Bemühungen zur Verbesserung des Tierwohls.

Bartels betonte auch, dass das aef nur Ideen entwickeln und Lösungsvorschläge unterbreiten könne. „Handeln müssen die Unternehmen, handeln müssen die Landwirte und das so schnell wie möglich, bevor uns neue staatliche Regelungen eigenes Handeln erschweren oder unmöglich machen", warnte Bartels vor neuen restriktiven Maßnahmen.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlunggab CDU-Bundestagsabgeordneter Franz-Josef Holzenkamp einen Einblick in die Agrar- und Energiepolitik der neuen großen Koalition. Dabei unterstrich er, dass die Stärkung des ländlichen Raumes als Lebens-, Natur- und auch als Wirtschaftsraum notwendig sei. Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft sowie die europaweite Weiterentwicklung von Tierschutz- und Umweltstandards seien dabei vorrangige agrarpolitische Ziele, so Holzenkamp. Die Landwirtschaft müsse sich offensiv der zunehmenden kritischen Diskussion über Umweltbelastung, Tierschutz, Gentechnik und Geruchsemmission stellen. „Wir müssen besser kommunizieren", so der Bundestagsabgeordnete und forderte, dass sich das Oldenburger Münsterland an die Spitze der Bewegung stelle.