19.06.2015 - AEF wirbt für Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Mit welchen innovativen Ansätzen begegnet die Agrar- und Ernährungsbranche im Oldenburger Münsterland ihren zentralen Herausforderungen? Diese Fragestellung stand im Fokus einer Pressebereisung mit Fachjournalisten entlang der Wertschöpfungskette Schwein vom 17. Juni 2015 bis zum 19. Juni 2015. Besichtigt wurden landwirtschaftliche Betriebe sowie Unternehmen in der Region Südoldenburg. Dazu eingeladen hatte das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland mit Sitz in Vechta.

Im Mittelpunkt dieser Bereisung wurden die aktuelle Entwicklung der Landwirtschaft sowie insbesondere die Themen Tierwohl und Tiergesundheit im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter Moderation von Ludger Abeln mit Experten aufgegriffen. Es diskutierten Dr. Maria Gellermann (Projektleiterin aniplus), Uwe Bartels (Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland), Prof. Dr. Thomas Blaha, der Tierhalter Thomas Gardewin (ISN) sowie Gregor Sieve von der Firma Atka.

Landrat Herbert Winkel lobte die Aktivitäten der Agrar- und Ernährungsbranche. Diese sei im Oldenburger Münsterland die wichtigste Säule der Wirtschaft und verdiene Respekt sowie volle Unterstützung.

Der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums zeigte sich überzeugt, dass eine transparente Darstellung der Wertschöpfungsketten mit den „Gesichtern dahinter" ein wesentlicher Schlüsselfaktor für die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung sei. Die Branche hat erkannt, dass über viele Jahre die Gesellschaft bei der Entwicklung ausgeklammert wurde und ist nun bereit, neue innovative Wege zu beschreiten. Allerdings müsse die Politik den Akteuren einen ausreichenden Zeitrahmen geben, um diese Lösungsansätze umzusetzen.

Diese Aussage wurde von Thomas Gardewin (ISN)bekräftigt, der seine Stalltüren nicht nur für diese Pressebereisung, sondern auch kontinuierlich für Schulklassen öffnet. Im Hinblick auf die Zukunft seines Hofes sprach Gardewin von der vorherrschenden Planungsunsicherheit landwirtschaftlicher Betriebe. Hier fehle es eindeutig an langfristigen politischen Entscheidungen, wie der „Stall der Zukunft" aussehen solle.

Darauf hatte der Ingenieur Gregor Sieve von der Firma atka eine Antwort parat. Erste Erkenntnisse seines konzipierten Energiespar-, Wohlfühl- und Gesundheitsstalls sorgten nachweislich für eine Verbesserung der Tiergesundheit.

Für ein moderates und ein behutsames Vorgehen bei der Umsetzung von Tierwohl sprach sich Prof. Dr. Thomas Blaha aus. Die Antibiotikavergabe sei grundsätzlich nicht zu verteufeln, sondern spiele für die Gesundheit der Tiere eine elementare Rolle. Auch, dass sich das Tier verhaltenstypisch im Stall bewegen könne, sei eine weitere Säule zur Stabilisierung der Tiergesundheit. Der nun stattfindende Veränderungsprozess benötige wissenschaftliche Begleitung und dürfe nicht von heute auf morgen durch zeitlichen Druck durchgesetzt werden.

Einen innovativen Ansatz für die Reduktion der Antibiotikaverbräuche zeigt das Projekt aniplus unter Leitung der Veterinärin Dr. Maria Gellermann. Dieses interdisziplinäre Projekt sammelt und stellt jedwede Informationen rund um das Thema „Verbesserung der Tiergesundheit" für Landwirte, Veterinäre und Berater zur Verfügung. Durch die AMG-Novellierung sei es, so Gellermann, unabdingbar, diese Zielgruppe auf ihrem Weg zu einer Antibiotikaminimierung zu unterstützen. Flankierend durch optimierte Hygienemaßnahmen und gezielte Impfungen könne dieses Ziel erreicht werden.

Die Fachjournalisten zeigten sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis der Pressebereisung. Bemerkenswert seien die innovativen Lösungsansätze der Region gewesen. Die landwirtschaftlichen Betriebe und die Unternehmen sollten sich nicht scheuen, so die Pressevertreter, ihre Ställe und Betriebe auch für die Öffentlichkeit zu öffnen.

Die Pressedelegation besuchte u.a. die Sauen- und Ferkelhaltung des stellvertretenden Cloppenburg Kreislandwirtes Martin Roberg in Essen (KLV CLP) sowie den Schweinemäster, Thomas Gardewin, Vorstandsmitglied der Interessenvertretung der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Am Beispiel der Praxis wurden Haltungs- und Fütterungskonzepte sowie der Verzicht auf das Schwänzekupieren angesprochen. Die Landwirte zeigten sich offen zu dem Thema Kupierverzicht. Von hoher Wichtigkeit seien allerdings eine fundierte und dauerhafte wissenschaftliche Begleitung sowie eine ökonomische Folgenabschätzung.

Um das Thema Desinfektion ging es während eines Besuches bei der Firma DesFa Hygiene in Molbergen. Es wurde deutlich, wie viel Potenzial es in puncto Hygiene und Desinfektion noch innerhalb vieler Ställe gäbe und damit noch einiges für die Gesundheit der Tiere getan werden könne.

Aufgeklärt über den Schlachtprozess sowie über die die visuelle Fleischuntersuchung wurde das Journalistenteam bei der Goldschmaus-Gruppe in Garrel. Das Unternehmen bietet ein einzigartiges Verbundsystem von Tierhaltern, Futtermühlen, Logistik, Schlachtung und Verarbeitung.

Dass eine wesentliche Optimierung der Tiergesundheit über Futtermittel und Futtermitteladditive erreicht werden kann, zeigten die Unternehmen Bröring in Dinklage und Biochem in Lohne. Vorgestellt wurden das CulinaCupLine-System als Ergänzung zur Ferkelfütterung von der Firma Bröring sowie das Konzept 4-feed der Firma Biochem. Dieses stärke nachweislich die Darmgesundheit und leiste einen wichtigen Beitrag zur Minimierung des Medikamentenaufwands.

Ebenfalls im Rahmen der Bereisung stand die Besichtigung des neu konzipierten Energiespar-, Wohlfühl- und Gesundheitsstalls für Schweine der Firma atka. Kunststoffwandelemente, Fliesenroste, Beschäftigungsmaterial sowie die Installierung eines automatischen Kotabschiebers führen zu einer deutlichen Verbesserung des Tierwohls und der Tiergesundheit und garantieren zudem eine höhere Wirtschaftlichkeit. Dieser Stall befindet sich derzeit noch im Forschungsstatus.

Der Geschäftszweig BD Blue Systems der Big Dutchman AG führte den Fachjournalisten ein neuartiges Membran-Filtrationssystem vor. Dieses System verwandelt in einem dreistufigen Prozess Gülle in vorfluterfähiges, klares Wasser, wertvollen Dünger oder nützlichen Gärsubstratersatz. Im Hinblick auf die Nährstoffsituation im Oldenburger Münsterland eines der Möglichkeiten, diese Herausforderung technisch zu lösen.

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