17.11.2016 - AEF bringt nationalen Aktionsplan für die Agrar- und Ernährungswirtschaft auf den Weg

Deckblatt WebsiteHannover – 17.11.2016. Schon seit langem stehen sich die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kritisch gegenüber, welchen Weg die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland einschlagen sollte. Dieser seit langem schwelende Dauerkonflikt wird auf Kosten der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der hiesigen Landwirtschaft ausgetragen. Das Agrar- und Ernährungsforum (AEF) will – auch im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung der ländlichen Räume – diesen Konflikt beenden und hat eigens dafür einen „Nationalen Aktionsplan als Grundlage einer zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland“ erarbeitet.

Dieser Aktionsplan wurde gestern auf der EUROTIER im Rahmen des Parlamentarischen Abends, der von dem AEF und dem Verbund Oldenburger Münsterland ausgerichtet wurde, an den Niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer und an die weiteren Podiumsteilnehmer überreicht. Passend gewählt war das Diskussionsthema der diesjährigen Podiumsdiskussion „Gesellschaftliche Anforderungen an die Nutztierhaltung – Wer unterstützt die Tierhalter bei der Umsetzung und welche Auswirkungen haben nationale Eingriffe in einem globalen Markt“. Unter Moderation von Dr. Ludger Schulze Pals bezogen Minister Christian Meyer, Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Heinrich Dierkes, Dr. Alexander Hinrichs, Landrat Herbert Winkel sowie der AEF-Vorsitzende Uwe Bartels auf dem Podium Stellung zu diesem Thema.

 

„Unser Ziel“, so der ehemalige Landwirtschaftsminister Bartels, „ist eine Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland, die im Einklang mit der Gesellschaft ressourcenschonend und tierwohlgerecht – auf abgesicherter wirtschaftlicher Grundlage – innerhalb einer geschlossenen Wertschöpfungskette qualitativ sichere Lebensmittel für einen segmentierten nationalen und internationalen Markt bereitstellt“. Der Aktionsplan des AEF umfasst Forderungen an Politik, Verbände, LEH und Verbraucher.

So wird als entscheidender Faktor für den Erhalt der geschlossenen Wertschöpfungskette in der Agrar – und Ernährungswirtschaft die finanzielle Honorierung des Mehraufwandes für die höheren Umwelt- und Tierschutzstandards entweder durch Markt oder Staat gefordert. Nur so sei die wirtschaftliche Existenz der bäuerlichen Betriebe und deren Wettbewerbsfähigkeit im globalen Markt sicherzustellen.

Gerade vor dem Hintergrund volatiler und unsicherer globaler Märkte fordert das AEF eine vom Bund organisierte und getragene „nationale Nutztierstrategie“. So ist auch die Rede von einem möglichen zeitlichen Moratorium, auf das sich alle in der Wertschöpfungskette Beteiligte, Politik und NGO im Hinblick auf Tierwohlverbesserungen verständigen sollten, damit die genannten Vorhaben entsprechend den verabredeten Tierwohlzielen wirtschaftsverträglich auf einer Zeitachse von mindestens 10-15 Jahren umgesetzt werden können. Auch wird die Einrichtung einer legislaturperiodenübergreifenden „Enquetekommission“ im Deutschen Bundestag vorgeschlagen. Diese soll - unter Berücksichtigung der fortschreitenden Erkennt-nisse aus Wissenschaft und Praxis - einvernehmlich Empfehlungen zu Haltungssystem, Züchtung und Fütterung erarbeiten und damit die Grundlagen für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess legen.

Der LEH wird aufgefordert, sobald der deutsche Inlandsmarkt ein großflächiges Angebot nach Tierwohlkriterien erzeugtem Fleisch bzw. Fleischprodukten vorhalten könne, Produkte aus dem Ausland, die nicht deutschen Standards entsprechen, auszulisten. Von der Bundesregierung wird erwartet, Lebensmittel, die unseren Standards nicht entsprechen, gemäß der WTO–Vereinbarungen, im internationalen Handel zurückzuweisen.

„Nur wenn es uns gelingt, durch einen gemeinschaftlichen Schulterschluss mit allen Beteiligten diese auf Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichteten Forderungen sukzessive umzusetzen, hat die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft eine reelle Chance dem schon jetzt vorherrschenden Strukturwandel Einhalt zu gebieten.“, konstatiert Bartels.

Der „Nationale Aktionsplan als Grundlage einer zukunftsfähigen Agrar- und Ernährungs-wirtschaft in Deutschland“ kann unter www.aef-om.de/Aktuelles beim AEF abgerufen werden.

Kontakt:

Agrar- und Ernährungsforum
Oldenburger Münsterland e.V.
Driverstraße 18, 49377 Vechta
Tel. 04441.85389-10, Fax. 04441.85389-20
www.aef-om.de
Vorsitzender: Uwe Bartels Min. a.D.
Büroleitung: Ruth Overberg